Ich, aus Gründen nenne ich mein genaues Geburtsdatum nicht, bin im schönen Jahre 1987 geboren worden. Als Kind des Aufschwunges erlebte ich meine Jugend in Göttingen und besuchte dort - mit schwankender Motivation - diverse Schulen und die Universität. Schon im zarten Alter von 10 Jahren erhielt ich einen Computer, welchen ich zunächst altersgerecht nutzte, um Spiele zu installieren oder mit Hilfe eines Latein-Lernprogramms Vokabeln zu pauken.

"Latein? Im Alter von zehn Jahren?", mag der eine oder andere entgeistert fragen. Die Antwort: Ja, korrekt. Seinerzeit musste man, um Arzt zu werden, noch Lateinkenntnisse vorweisen. Somit sollte Latein meine erste Fremdsprache sein. Im Nachhinein betrachtet hätte die Frage, ob ich denn Blut oder diverse andere Körpersäfte ohne ein Schimmern vor den Augen zu vernehmen überhaupt betrachten kann. Die Antwort: Nein. Der Latein-Unterricht sollte am Ende vielleicht aber doch für etwas gut sein. Wer weiß.
Der Computer, damals noch ohne Internetanschluss, erwies sich jedoch als wegweisend für mich: Bei der Installation von Spielen konnte ich mich leider nicht auf meine elterlichen Mitbewohner verlassen, deren Kontakt mit Informationstechnologien sich auf elektrische Schreibmaschinen beschränkte.

So lernte ich am lebenden System, wie ich denn nun ein Spiel installieren und starten kann.

Der FIFA-Meilenstein

Eine gewisse Naivität im Umgang mit der Technologie verfolgte mich jedoch noch eine ganze Weile. So verkaufte mir der große Bruder eines Klassenkameradens FIFA '99 im Top-Zustand für nur 25 Mark. Eine Raubkopie, wie sich später herausstellte. Diese ließ sich auch nicht problemlos installieren, was mich dazu brachte, mich mit der Welt der illegalen halblegalen Werkzeuge vertraut zu machen.

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Als nun FIFA '99 funktionsfähig gefummelt wurde, konfrontierte mich die unterirdische Leistung meines Computers mit dem nächsten Problem - das Spiel hakte und stürzte häufig ab. Ohne Internet fiel es mir schwer, hier vernünftig zu recherchieren, wie ich dieses Problem denn lösen könne. Als verlässliche Informationsquelle diente somit der örtliche Comtec-Händler, die GameStar, sowie die wöchentlich erscheinende Werbebeilage im lokalen Kleinanzeigenblättchen.

Die LEGO-Erfahrung

Bevor mir jedoch erlaubt wurde, mein Sparbuch für die Optimierung meines PCs zu plündern, machte ich Erfahrungen mit Zauberwerk. Zumindest kam es mir damals so vor, schließlich konnte ich mir nicht erklären, warum mein Computer irgendwann kaum noch bedienbar war. Programme brauchten ewig, um zu starten und ich befürchtete das Schlimmste. Meine Mutter war diejenige, die den Stein des Anstoßes ins Rollen brachte, als sie meinen Computer zum PC-Fachhändler brachte, der für kleines Geld tatsächlich die Lösung lieferte. Der Computer wurde über Nacht in der Werkstatt des - aus meiner Sicht - Großmeisters der Informationstechnologie eingelagert und dort defragmentiert. Als ich bei der Abholung des Computers zugegen war vernahm ich nicht ohne eine gewisse Bewunderung die Ausführungen des Mannes, der meinen Computer gerettet hatte. Dieser erklärte mir, dass meine Dateien in Fragmenten auf der Festplatte abgelegt wären. Diese Ablage erfolge ohne feste Logik und wenn Fragmente weit auseinander lägen, so dauere es eben, bis alle zusammengesucht sind und das Programm, welches diese Informationsschnipsen benötigt, gestartet werden kann. Dieser Logik konnte ich folgen, entsprach sie doch meinen Erfahrungen mit meiner lose organisierten LEGO-Baustein-Truhe.

Lerne C++

In Ermangelung besseren Wissens wollte ich nun meinen Computer besser verstehen lernen. Was bietet sich da besseres an, als im alteingesessenen Buchhandel anzufragen, ob man mir denn dort ein Buch zum Thema Programmierung empfehlen könne. Man konnte. Es handelte sich um ein Buch zum Thema "Objektorientierte Programmierung mit C++". Mit ein wenig Abstand betrachtet vermute ich, dass dieses Buch nun einmal das einzige Exemplar war, welches der Händler zum Thema Programmierung in seinen Regalen finden konnte, denn einsteigergerecht war dies nicht. Ich war in der Lage, eine Borland C++-Builder-Umgebung zu installieren und mit Hilfe der angenehmen GUI gelang es mir schnell, ganz wundervolle Anwendungen zusammen zu klicken. Leider konnten diese nicht besonders viel.

Hier stagnierte ich in Ermangelung des Geschenkes, welches mir erst einige Jahre später zuteil werden sollte.

www.post.de

Im Alter von 14 Jahren erhielt ich durch die Weitsicht meiner Familie einen turboschnellen 768kbit/s DSL-Anschluss. Nach stundenlanger Montage aller notwendigen Komponenten im Haus konnte es los gehen. Gebannt saß ich vor dem Computer, der ein neues, mir vollkommen unbekanntes Symbol anzeigte. Ich war drin, wie Boris Becker es in der AOL-Werbung nannte.

Völlig überfordert öffnete ich meine erste Webseite: www.post.de.

Allerdings lernte ich als talentierter junger C++-Programmierer IT-Enthusiast schnell dazu und fand vor allem Wege, mir das Internet durch Kommunikationskanäle wie IRC zu erschließen. IRC, der Internet Relay Chat, fraß Wochen meines Lebens.

Nach einiger Zeit, mittlerweile bot meine Schule auch eine Informatik-AG an, lernte ich das, was ich seinerzeit für eine Programmiersprache hielt: HTML. Dieses mal allerdings hatte ich Mitstreiter, Lehrer und erfahrenere Schüler, die mich auf diesem Wege begleiteten. Parallel wies mich ein Schüler der Oberstufe in die Arbeit mit Linux ein. Didaktisch war diese Einweisung sicherlich ausbaufähig, aber ein neuer Gedanke keimte in mir auf: Was wäre, wenn Software dem Allgemeinnutzen dienen würde? Der Gedanke der offenen Quellen begeisterte mich - und so setzte ich auch zu Hause rasch meine erste Linux-Installation, sicherheitshalber parallel zu meinem bestehenden Windows-OS, auf.

Die ideologischen Diskussionen gingen hierbei zunächst glücklicherweise an mir vorbei.

Mein erstes Linux sollte ein SuSE-Linux sein. Die Installation, selbstverständlich eine Installation aller Pakete, dauerte Stunden und erforderte einen häufigen Wechsel aller sechs CDs. Und sie schlug fehl.

Der erste Webserver

Vom Fehlschlag der ersten Linux-Installation ließ ich mich nicht entmutigen und wohnte der Informatik-AG weiter bei. Schnell erfuhr ich hier, dass jeder Schüler einen kleinen User-Account auf dem Server der Schule hatte, welches ein public, sowie ein private-Verzeichnis aufwies. Das öffentliche Verzeichnis wurde durch einen Webserver ausgeliefert und ließ sich über http://meine-schule.de/~username aufrufen. Es wurde Zeit für meine erste Webseite - und so begann meine Karriere im Netz.