Ich werde in den Urlaub fliegen. Eine schöne Sache, schließlich wird dies der erste Urlaub seit langer Zeit.

In den vorhergegangenen Jahren stand das Thema "Haus" im Vordergrund: Renovieren, renovieren - und Kosten sparen, schließlich muss das Haus ja renoviert werden.

Nun steht der Urlaub vor der Tür. Auf eine weit entfernte Insel soll es gehen. Sie hat zwei Berge und gilt als Paradis mitten im Ozean. Doch da gibt es ein Problem.

Warum ich?

Aktuell dominiert eine Frage die Medien: Was wird Donald Trump heute twittern? - gleich danach stellen sich viele Journalisten die Frage, ob wir einen lebenswerten Planeten in Zukunft eigentlich zwingend benötigen und - falls diese Frage mit ja beantwortet wird - wie wir die Abwärtsspirale des menschengemachten Klimawandels eigentlich durchbrechen wollen.

In meinem täglichen Leben versuche ich, so weit wie ich es für mich beeinflussen kann, nachhaltig mit dem Planeten umzugehen. Mein Fleisch stammt von einem örtlichen Kleinstbetrieb, der weitere tägliche Bedarf wird bei einem kleinen Kaufmann im Nachbarort gekauft. Ich versuche, Dinge zu reparieren, bevor ich sie gedankenlos neu anschaffe.

Der Weg zur Arbeit geht über den Bus oder Fahrrad hin zum Bahnhof und danach über die Schiene. Unser Auto verbraucht wenig Benzin und gilt als einigermaßen sauber - zudem wird es, wenn es möglich ist, nicht genutzt.

Meine Frau und ich reduzieren unseren Plastikmüll effektiv und trotz meines meist fröstelnden Gefühls haben wir unser Heizverhalten angepasst. Dort, wo wir renovieren, wird gedämmt und die hungrigen Leuchtmittel im ganzen Haus wurden selbstverständlich durch energiesparendere Alternativen abgelöst.

Gut - bis auf die Beleuchtung der Terrarien natürlich.

All das tun wir, weil wir der festen Überzeugung sind, dass auch kleine Änderungen des Einzelnen Auswirkungen, und sei es eine Signalwirkung, haben. Wir haben es selbst in der Hand, während die großen Probleme durch die Politik gelöst werden müssen - die Erfahrung zeigt jedoch, dass dies durchaus ein wenig Zeit in Anspruch nehmen kann.

Deswegen versuchen wir, nicht immer den einfachen Weg zu gehen und bei uns selbst zu beginnen. Wir sind bemüht.

Zahlen

Und nun das: Unser Urlaubsziel liegt in 9.000 Kilometern Entfernung. Den Weg zum Flughafen bestreiten wir zwar mit dem ICE, doch mehr als ein schöner Schein, der eher der Bequemlichkeit dient als dem Gedanken an die Umwelt Rechnung zu tragen, ist dies nicht.

9.000 Kilometer also. Pro Strecke. Diesen Weg werden wir wohl nicht mit Bio-Ethanol, Windkraft und Solarenergie bewältigen.

Ich habe ein wenig recherchiert. Wir fliegen mit einer Boeing 767-300ER, einem Flugzeug, welches Platz für 259 Passagiere bietet. Es fasst 91.380l Treibstoff bei einer maximalen Reichweite von 10.550 Kilometern. Auch wenn ich mir den genauen Verbrauch nun nicht errechnen möchte: 10.550 Kilometer Reichweite, 91.380 Liter Treibstoffkapazität - hier wird ein Großteil für unseren 9.000 Kilometer Flug verheizt werden.

91.380 Liter für 259 Passagiere - eine unglaubliche Menge. Pro Person kommen bei maximaler Auslastung also rund 353 Liter Verbrauch. Damit muss sich der Umweltschutzgedanke für einen kurzen Moment verabschieden.

Das schlechte Gewissen

Die Fridays-For-Future-Bewegung hat das schlechte Gewissen verstärkt in unseren Köpfen abgelegt. Und nun fliegen wir mit einer Selbstverständlichkeit unnötig weit, nur weil wir gerne Urlaub im Paradis haben wollen. Na klar, das ist der einfache Weg, ein wenig scheinheilig sogar. Der Flugverkehr ist ein Problem, Die Flüge sind einfach zu billig , Mitteleuropa hat doch auch schöne Urlaubsziele - Argumente, die am Frühstückstisch gerne auftauchen, verblassen mit dem Klick auf den "Jetzt verbindlich buchen"-Button auf der Webseite des Reiseanbieters. Die schönen Bilder, die traumhaften Berichte anderer Reisender haben uns geblendet. "Wir möchten unser Leben hin und wieder auch genießen", schießt es mir beim Gedanken an unseren Urlaub durch den Kopf. Und während das schlechte Gewissen aus diesem Gedanken spricht kommt mir ein weiterer Gedanke:

Vielleicht ist es ja eine der herausragenden Errungenschaften der Umweltbewegungen der letzten Jahre, dass ich dieses schlechte Gewissen habe.

Es geht gar nicht darum, das Reisen zu verbieten. Es geht darum, dass jeder Einzelne darüber nachdenkt, dass die Reise der Umwelt schadet. Das fängt beim Flug an, aber auch die Anwesenheit vor Ort darf hinterfragt werden. Was geschieht mit dem Müll, der durch die Tourismusindustrie anfällt?, Werden empfindliche Ökosysteme gestört, wenn wir mit dem Segway durch die Landschaft rauschen? und Muss man wirklich einen Mietwagen vor Ort nutzen? - all diese Fragen gehören zum Großen und Ganzen und zeugen davon, dass wir beginnen, unseren Planeten, den wir aus meiner Sicht zwingend in lebenswerter Form benötigen, nicht mehr als selbstverständlich annehmen.

Wir sind am Anfang eines guten Weges.